Im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts (Deutsch/Sport) hat die Klasse 6e am Gymnasium Gröbenzell vor den Herbstferien ein Video-Interview mit dem deutschen NBA-Star Maximilian „Maxi“ Kleber (28, Dallas Mavericks) geführt. Das ganze Interview, für das sich der Basketballprofi über eine halbe Stunde lang Zeit genommen hat, lesen Sie hier:

6e: Herr Kleber, vielen Dank für Ihre Zeit für ein digitales Interview mit uns. Führen Sie in der aktuellen NBA-Spielpause denn viele Video-Gespräche?

Kleber: Gerne! Also direkt nach dem Saisonende habe ich schon einige Video-Interviews geführt, zum Beispiel mit dem ZDF oder Sky Sport. In der letzten Zeit habe ich das dann aber runtergefahren – ich wollte auch mal ein bisschen Familienzeit und da habe ich gesagt, dass ich erstmal keine Interviews mehr mache. Ihr seid heute also eine Ausnahme (grinst).

6e: Das freut uns natürlich sehr! Haben Sie denn gute Erinnerungen an die Schule, wenn Sie auf dem PC in unser Klassenzimmer schauen?

Kleber: Auf jeden Fall – ich erinnere mich vor allem an einige Freundschaften, die bis heute bestehen. Die Schulzeit ist eine sehr schöne Zeit.

6e: Ihr Lieblingsfach war vermutlich Sport, oder?

Kleber: Richtig geraten! Und wenn ich noch ein anderes Lieblingsfach wählen muss, dann wäre das wohl die Mathematik für mich (ungläubiges Raunen im Klassenraum). Da mag wohl keiner Mathe hier, oder?

6e: Kein Kommentar. Aber was waren denn dann Ihre „Hassfächer“?

Kleber: In den Sprachen war ich früher nicht so gut. Deutsch war also nicht gerade mein Lieblingsfach – sorry, Herr Mayer (lacht). In den Naturwissenschaften habe ich mir auf jeden Fall leichter getan.

6e: Und das Basketballspielen hat ja auch ganz gut geklappt – wie alt waren Sie, als Sie damit angefangen haben

Kleber: Zum Basketball hat mich mein älterer Bruder gebracht, der damals mit seinem besten Kumpel zusammengespielt hat. Ich war sechs Jahre alt und durfte selbst noch nicht mitspielen, konnte also die ganze Zeit nur zuschauen. Mit acht Jahren habe ich dann auch selbst richtig angefangen – ich bin jetzt 28, ich spiele also schon seit 20 Jahren.

6e: Haben Sie neben dem Basketball in Ihrer Jugend noch andere Sportarten betrieben – und welchen Sport treiben Sie heute noch nebenbei?

Kleber: Ich habe früher ganz viel ausprobiert: Turnen, Tennis, Fußball, Volleyball, Golfen. Heute ist in meinem Vertrag aber geregelt, dass ich keine anderen Sportarten ausüben darf, weil das Verletzungsrisiko dabei zu groß wäre. Schon ein Volleyballspiel mit Freunden am Strand ist fast ein bisschen zu gefährlich, weil dir da jemand auf den Fuß treten könnte. Von daher spiele ich aktuell eigentlich nur Basketball – das reicht mir aber auch.

6e: Was macht die Sportart Basketball für Sie so besonders?

Kleber: Also zum einen ist es für mich eine schöne Sportart zum Zuschauen, weil da so viel passiert – alle sind involviert und man kann eine Partie als Einzelspieler dann doch nicht alleine gewinnen: Auch ein Superstar wie LeBron James braucht noch gute Mitspieler, wenn er etwas reißen will. Bei einem Basketballspiel ist zudem immer alles möglich, es ist gefühlt nie vorbei: Selbst wenn es mal 45 zu 60 steht, weißt du, dass das Spiel noch gedreht werden kann. Diese Spontanität im Spiel ist ein großer Pluspunkt des Basketballs.

6e: Wo wir gerade beim Stichwort „groß“ sind – wie groß sind Sie eigentlich genau? Wir können es auf der Leinwand ja schlecht abschätzen…

Kleber: Ich bin 2,08 Meter groß, also wahrscheinlich ein bisschen größer als ihr auf meinem kleinen Bildschirm. Was schätzt ihr denn, was ich für eine Schuhgröße habe?

6e: Vielleicht 45?

Kleber: Fast, ich habe Schuhgröße 50 (lacht).

6e: Dann leben Sie also im wahrsten Sinne des Wortes „auf großem Fuß“. Passend dazu haben wir recherchiert, dass ihre letzte Vertragsunterschrift viele Millionen Euro wert war. Was haben Sie von ihrem ersten großen Gehalt gekauft und wofür geben Sie generell das meiste Geld aus?

Kleber: Von meinem ersten großen Gehalt habe ich mir ehrlich gesagt gar nichts Besonderes gekauft. Ich bin damals mit meiner Familie essen gegangen und wir haben das ein bisschen gemeinsam gefeiert. Wahrscheinlich gebe ich aktuell das meiste Geld für die Flüge zwischen Deutschland und Amerika aus, weil ich immer spontan buchen muss und die Tickets dann extrem teuer sind. Auf dicke Autos oder so etwas lege ich nicht so viel wert.

6e: Wie haben Ihre Eltern reagiert, als sie 2017 erfahren haben, dass sie in die NBA wechseln?

Kleber: Meine Vorgeschichte war ja, dass ich den Sprung in den Jahren zuvor schon oft fast geschafft hatte und dass dann jedes Mal eine neue Verletzung dazwischengekommen ist – ein Knochenbruch hier, ein Bänderriss da, da war fast alles dabei. Das war natürlich sehr frustrierend für mich und da haben meine Eltern auch mitgelitten. Als es 2017 dann wirklich so weit war und ich in den USA die Unterschrift aufs Papier gesetzt habe, waren sie natürlich super stolz und glücklich. Ich konnte damals drei Tage lang nicht schlafen, war nur am Grinsen und habe jeden Tag mit meiner Familie zuhause telefoniert.

6e: Und wie war es für Sie, als Sie mit den Dallas Mavericks dann auch noch in das Team Ihres Kindheitsidols Dirk Nowitzki gekommen sind, der wie Sie aus Würzburg kommt?

Kleber: Es war ein unfassbares Gefühl. Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich als zwölfjähriger Fan in Würzburg stolz neben ihm stehe – und Jahre später durfte ich dann tatsächlich in der NBA sein Teamkollege sein. Als ich ihn das erste Mal in Dallas getroffen habe, hat er mich gleich zum Essen eingeladen. Ich war natürlich ganz schön aufgeregt. Ich saß ihm gegenüber und wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass er ein total witziger und bodenständiger Typ ist, mit dem man ganz locker reden kann. Es hat immer super Spaß gemacht, mit ihm Zeit zu verbringen – dabei hat er mir auch sehr geholfen, weil er mir viele Tipps für meine erste Saison in der NBA gegeben hat.

6e: Sind Sie mittlerweile schon besser als Ihr Vorbild Nowitzki?

Kleber: (lacht) Nein, und das werde ich auch nicht schaffen. Wenn ihr euch mal anschaut, was er für Statistiken hatte und wie er die Meisterschaft nach Dallas geholt hat – das ist eigentlich einmalig. Ich glaube, da kommt so schnell in Deutschland keiner mehr ran.

6e: Haben Sie jemals an ihrem Traum, in die NBA zu kommen, gezweifelt?

Kleber: Ja, ich habe ganz oft daran gezweifelt. Es gab wie gesagt mehrere Phasen, in denen ich kurz vor dem Sprung stand und dann von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Als ich zwischen 2015 und 2017 die zwei Jahre in München war, habe ich mir über die NBA dann eigentlich keine Gedanken mehr gemacht. Ich hatte den Kindheitstraum schon ein bisschen aufgegeben und habe mir gesagt, dass das mit der NBA vielleicht einfach nicht sein soll. Umso schöner war es, dass es sich am Ende zum Glück doch noch ergeben hat.

6e: In welchem Stadion haben Sie dann Ihr erstes NBA-Spiel bestritten – und wie war das Gefühl kurz davor?

Kleber: (überlegt lange) Ich glaube, dass es ein Heimspiel in Dallas war, ich kann mich aber ehrlich gesagt gar nicht mehr genau an das Gefühl erinnern. Der „besonderste“ Moment in meiner Karriere war ein anderer – wie steigert man denn das Wort „besonders“?

6e: Das ist ein „besonderes“ Adjektiv, das man leider nicht steigern kann – wir wissen aber natürlich, was Sie meinen.

Kleber: Da habt ihr in Deutsch ja gut aufgepasst! Dann nehmen wir das Adjektiv „schön“: Also der schönste Moment meiner Karriere war eigentlich der, als meine Familie zu Besuch war und ich sie dann zum ersten Mal im Stadion auf der Tribüne gesehen habe, während ich auf dem Spielfeld stand. Das war ein Gänsehautmoment, weil ich da realisiert habe: Wow, ich bin echt in der NBA und meine Familie kommt rüber und schaut mir zu. Das war für mich ein noch größerer Augenblick als der Moment vor meinem ersten Spiel.

6e: Ein ganz besonderer, schöner und großer Augenblick wird auch der sein, an dem Corona endlich vorbei ist. Was machen Sie dann als erstes?

Kleber: Ich freue mich darauf, endlich mal wieder ganz normal mit Freunden ins Restaurant gehen zu können – das vermisse ich wirklich.

6e: Haben Sie denn ein Lieblingsessen?

Kleber: (lacht) Ich habe ganz viele Lieblingsessen, weil ich allgemein sehr gerne esse. Mein absolutes Lieblingsessen gibt es aber nicht im Restaurant, das ist nämlich „Kloß mit Soß“ von meiner Oma. Ansonsten esse ich auch gerne Steak, Spaghetti, Sushi, solche Sachen.

6e: Haben Sie als Sportler denn einen strikten Ernährungsplan?

Kleber: Die Ernährung ist wichtig, da passe ich natürlich auf. Früher wollte ich mich aber fast zu „gesund“ ernähren, was ein Fehler war. Ich habe gedacht, dass ich nur Gemüse und Eiweiße essen darf und die Kohlenhydrate weglassen muss. Da hat mir dann aber ein bisschen die Energie gefehlt. Eine Ernährungsberaterin hat mir einfach den Tipp gegeben, dass ich mich ausgewogen ernähren soll: Gemüse, Obst, Nüsse, solche Sachen sind dabei natürlich wichtig. Ab und zu kann man sich aber auch mal ein Stück Schokolade gönnen.

6e: Haben Sie für mich als Basketball-Spielerin einen Tipp, wie ich Profi werden kann?

Kleber: Also das ist natürlich immer eine schwierige Frage, weil da ganz viele Umstände eine Rolle spielen. Was ich als Kind dafür gemacht habe, war einfach ganz oft in der Halle zu stehen. Das war bei mir fast schon ein bisschen zu viel, eine gesunde Mischung macht es aus. Du musst einfach fleißig trainieren und dran glauben, aber das nötige Glück braucht man natürlich auch. Das Wichtigste ist dabei, dass du Spaß am Sport hast. Wenn dir das Training und die Spiele Freude bereiten und du gerne in die Halle gehst, dann fühlt es sich nicht wie „Arbeit“ an. Und nur so kann man immer besser werden und den Sprung schaffen. Wenn es irgendwann zu viel wird oder keinen Spaß mehr macht, solltest du nichts erzwingen.

6e: Alles klar. Und haben Sie zufällig auch Tipps für den Deutschunterricht bei Herrn Mayer?

Kleber: Also ich habe ja bislang noch nie einen Unterricht bei ihm mitmachen dürfen und muss jetzt vermutlich aufpassen, was ich sage, sonst muss ich noch irgendwelche Nacharbeiten machen (lacht). Was einem Lehrer sicherlich gut gefällt, ist, wenn die Schüler mitarbeiten und nicht ganz so viel im Unterricht quatschen. Für die Aufsätze in Deutsch braucht man auch ein gewisses Talent beim Schreiben, schätze ich – das hatte ich damals zum Beispiel nicht so. Aber durch fleißige Mitarbeit und gute mündliche Noten kann man das vielleicht ja auch ein bisschen ausgleichen (grinst).

6e: Vielen Dank für die Tipps und das ganze Video-Interview! Wir sind froh, dass die Verbindung nicht abgebrochen ist – was uns zur Abschlussfrage führt: Wie viele Basketballkörbe haben Sie bei Ihren „Dunkings“ schon abgebrochen?

Kleber: (lacht) Ich habe tatsächlich nur einmal daheim den Korb vor unserer Haustüre abgebrochen, weil der ein bisschen alt war. Die Basketballkörbe in der NBA sind mittlerweile so stabil – da kann ich mich mit meinen 110 Kilo einfach dranhängen und es passiert nichts. Gerne, das Interview hat Spaß gemacht. Einen schönen Schultag euch noch!

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